totenstalking
Heiligenstädter_Friedhof_-_Öden_von_Horvath

Horváth, Ödön von

Schriftsteller (1901- 1938) /// Teil A – Gr. M /// Grab 4
Heiligenstädter Friedhof /// Wien

„Die Fakten sind bekannt: Ödön von Horváth suchte am 11. Juli 1934 um die Mitgliedschaft im nationalsozialistischen Reichsverband Deutscher Schriftsteller an und wurde kurze Zeit später aufgenommen. Schon in den Jahren davor war eine zunehmende Entpolitisierung bei Horváth zu beobachten. Im Mai 1933 weigert er sich, einen schriftlichen Protest gegen die Bücherverbrennung zu unterschreiben. ‚Du willst Dir nach keiner Seite irgendein Geschäftchen verderben‘, kommentierte Oskar Maria Graf in einem am 2. Juni 1933 in der Arbeiter-Zeitung abgedruckten, offenen Brief dieses Verhalten. ‚Mit solchen Leuten‘, so Graf weiter, ‚deren Gesinnung nicht weiter reicht als ihr Maul, und die bei einem so geringfügigem Ansinnen, das an ihren kollegialen Anstand gestellt wird (von einem Solidaritätsbewusstsein ganz zu schweigen!), die Flucht ergreifen, habe ich nichts zu schaffen.‘ 1933 gibt Horváth bekannt, dass er nach der Machtübernahme der Nazis von nun an in Wien zu leben gedenkt. Faktisch meldet er sich aber bereits am 12. März 1934 in Wien ab und begibt sich nach Deutschland (Polt-Heinzl/Schmidjell 2001: 217). Er wurde nicht nur Mitglied in einer NS-Organisation, sondern biederte sich in einem Brief, den er am 18. Juni 1934 an den Neuen Bühnen Verlag im Verlag für Kulturpolitik GmbH schickte, sogar offen an die Nazis an. Er habe sich ‚in freien Stücken in eindeutiger Weise für Deutschland erklärt (…) dem Lande‘, für das er ‚im Ausland immer eingetreten‘ (zitiert nach ebd.: 230) sei.“ /// Warum Ödön von Horváth trotz seiner Mitgliedschaft im Reichsverband Deutscher Schriftsteller als antifaschistische Identifikationsfigur funktioniert lesen sie hier weiter: „Mitgliedsnummer 875von Florian Wagner

Horváth wurde am 1. Juni 1938 während eines Gewitters auf der Champs-Élysées in Paris von einem herabstürzenden Ast erschlagen. Seine Beerdigung fand am 7. Juni 1938 auf dem Friedhof Saint-Ouen statt. Seit 1988 ruhen Reste seiner Gebeine in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Heiligenstädter Friedhof in Wien.

Titelfoto von Michael Kranewitter unter Creative Commons.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde am 01/06/2013 um 19:37 veröffentlicht. Er wurde unter Einzelperson, Fundstück abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: