totenstalking
Walter Nowotny

Nowotny, Walter

Kampfflieger der Luftwaffe und NSDAP-Mitglied
(1920 – 1944) /// Gr. 14C /// Grab 12

Wiener Zentralfriedhof

Walter Nowotny war Funktionär in der Hitlerjugend, NSDAP-Mitglied und Kampfflieger im Jagdgeschwader 54 der Luftwaffe. Er wurde mit nationalsozialistischen Auszeichnungen überhäuft und als Held der Nation gefeiert. 1943 erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten als erster deutsche Pilot, der 250 Luftsiege (in 421 Einsätzen) erreichte. Die deutsche Wikipedia bezeichnet ihn als „den erfolgreichsten Jagdpiloten dieses Krieges“, der „bis heute […] als Fliegerass bezeichnet“ wird. Eine tendenziöse Umschreibung von einem Menschen, der bei 250 Luftsiegen auch mindestens 250 Menschen getötet hat und das alles zur Verteidigung des nationalsozialistischen Systems. Als 24jähriger wurde er dann am 08. November beim Einsatz für Führer und Vaterland abgeschossen.

Nowotny wurde am Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab bestattet. Generaloberst Deßloch (Abgesandter von Adolf Hitler) und Reichsjugendleiter Baldur von Schirach hielten die Grabreden. Der Grabstein wurde erst 1958 mithilfe von Spenden gesetzt. Bis heute ist sein Grab Pilgerstätte von Kameradschaftsverbänden der Waffen-SS und anderen Alt- und Neonazis. In unregelmäßigen Abständen finden Kranzniederlegungen von der Kameradschaft Walter Nowotny, dem Ring Freiheitlicher Jugend Österreich, dem Ring Freiheitlicher Studenten und dem Bund freier Jugend statt. 2003 erfolgte die Aufhebung der Ehrengrab-Widmung durch den Wiener Gemeinderat. Wie nicht anders zu erwarten, gab es Gegenproteste – nicht nur von Seiten der extremen Rechte, auch von FPÖ und ÖVP.

Die Rosa Antifa Wien schreibt 2003 in „Keine Ehrengräber für Nazikadaver!“ bezugnehmend auf die Proteste vieler ÖsterreicherInnen: „Während Kriegsverbrecher nach wie vor geehrt werden, bleibt Deserteuren die Anerkennung verwehrt. Noch immer werden sie in Österreich regelmäßig als ‚Vaterlandsverräter‘, ‚Feigling‘ oder ‚Kameradenschwein‘ verunglimpft. Menschen die Aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von den Nazis verfolgt wurden, werden bis heute nicht als Opfer anerkannt und haben somit keinen Rechtsanspruch auf Entschädigungszahlungen.“

Im selben Jahr wurde der „Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“ von den FPÖ-Mitgliedern Johann Herzog und Hans-Jörg Jenewein sowie dem ORF-Chefredakteur Walter Seledec gegründet. Dieser organisiert jährlich unter Begleitung von Burschenschaftern, Kameradschaftsbund und rechtsextremen Skinheads eine Gedenkfeier am Grab Nowotnys.

Eine Verlegung des Grabes wurde diskutiert, aber heuer vom Innenministerium dementiert. Mittlerweile ist der Grabstein verschwunden. Leider habe ich diesbezüglich keine Informationen gefunden. Über Tipps wäre ich sehr dankbar.

Nachtrag: Laut diepresse.com ist der Grabstein in der Waschanlage des Innenministeriums, welches seit der Umwidmung zum Soldatengrab für die Pflege zuständig ist (Artikel 04/2011). Der genaue Hintergrund wird leider nicht genannt.

Aktuelle Informationen gibt es immer mal wieder auf der Seite des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DöW) unter der Kategorie Neues von ganz rechts.

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Dieser Beitrag wurde am 08/11/2012 um 15:47 veröffentlicht. Er wurde unter Einzelperson abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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