totenstalking
Grab Hannah Arendt

Arendt, Hannah

Politische Theoretikerin und Publizistin (1906 – 1975)
Bard College /// Annandale-on-Hudson (New York)

Hannah Arendt studierte Philosophie in Marburg (bei Martin Heidegger), Freiburg (bei Edmund Husserl) und Heidelberg (bei Karl Jaspers), mochte sich aber nie als Philosophin bezeichnen – sie war eine politische Theoretikern. 1928 promovierte sie bei Karl Jaspers. 1933 musste sie als Jüdin aus Deutschland emigrieren und erreichte 1941 die USA. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Geldnot, schrieb sie schon bald kurze Kolumnen für das Magazin „Aufbau“. Später war sie als Forschungsleiterin der „Conference on Jewish Relations“ tätig, als Lektorin und Geschäftsführerin der Jewish Cultural Reconstruction Corporation. 1953 bekam sie ihre erste Professur am Brooklyn College in New York. Arendt befasste sich viel mit der Existenzphilosophie, den Nachwirkungen des NS-Regimes, der „Rettung und Pflege jüdischen Kulturguts“ und der zionistischen Bewegung. Sie trat für ein binationales Palästina ein.

In ihrer Aufzeichnung „Memo on research“ beschreibt sie die Grundthemen ihrer Beschäftigung: „Totalitarismus, die Rassenfrage, der Verfall des europäischen nationalstaatlichen Systems, die Emanzipation der Kolonialvölker, die Liquidierung des Britischen Imperialismus. […] Antisemitismus, die Palästina-Angelegenheit, Fluchtbewegungen, Heimatlosigkeit, etc.“

Ihr brühmtestes Werk ist „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, eine Abhandlung ihres Totalitarismusbegriffs anhand des Nationalsozialismus und des Stalinismus. Dafür bekam sie viel Lob, wegen des Vergleichs aber auch viel Kritik von unterschiedlichen Seiten. „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ war das wohl umstrittenste Werk in ihrer Karriere. Sie verfolgte 1961 für die Zeitschrift „The New Yorker“ den Eichmann-Prozess in Jerusalem und fasste zwei Jahre später die Reportage in einem Buch zusammen. Sie wurde vorallem wegen ihrer sprachlichen Ausdrucksweise kritisiert. Viele empfanden es als Kränkung, von der „Banalität“ im Zusammenhang mit der Shoa zu sprechen. Sie jedoch verteigte den Begriff.

Hannah Arendt starb am 4. Dezember 1975 im Beisein einiger Freunde an ihrem zweiten Herzinfakt (den erste hatte sie ein Jahr zuvor) in New York. Sie wurde auf dem Grundstück des Bard College beigesetzt.

Seit 1993 gibt es das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. in Dresden. Ob die Tätigkeit des Instiuts im Sinne Hannah Arendts ist, muss bezweifelt werden.

Titelfoto von Rasputinfa unter Creative Commons.

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Dieser Beitrag wurde am 14/10/2012 um 03:27 veröffentlicht. Er wurde unter Fundstück abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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