totenstalking

Friedhof der Namenlosen

Alberner Hafen, Wien
48° 9′ 35.12″ N, 16° 30′ 9.62″ E

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Im Stadtrand von Wien im Bezirksteil Albern befindet sich der Friedhof der Namenlosen. Zwischen Auwald und Industriehafen, hinter drei Getreidespeichern versteckt sich ein kleines Friedhofs-Juwel. Der Weg durch die Hafenanlgen wirkt zunächst ein wenig bedrohlich, zumeist unwirklich, doch am Ende – leicht versteckt – taucht plötzlich dieser liebevoll gestaltete Ort auf.

Todesursache: Ertrinken

Der Friedhof der Namenlosen wurde mit seiner ersten Beisetzung 1840 begründet. Auf Grund eines Wasserstrudels in der Donau wurden bei Stromkilometer 1918,3 neben Treibgut auch viele Wasserleichen ans Ufer getrieben. Die Leichen waren oft bis zur Unkenntlichkeit zersetzt, dadurch nicht zu identifizieren und somit namenlos. Sie wurden am Ort ihres Auffindens still und leise begraben. Bis 1900 fanden auf dem ersten Teil des Friedhofes 478 Menschen ihre letzte Ruhe. Er wurde danach wegen zahlreicher Überschwemmungen aufgelassen. Heute erinnert ein einziges Kreuz an alle dort begrabenen.

Tief im Schatten alter Rüstern
Starren Kreuze hier am düster
Uferrand. Aber keine Epitaphe
Sage uns wer unten schlafe,
Kühl im Sand.
Still ist’s in den weiten Augen
Selbst die Donau ihre blaue
Wogen hemmt.
Denn sie schlafen hier gemeinsam
Die, die Fluten still und einsam
Angeschwemmt.
Alle die sich hier gesellen,
Trieb Verzweiflung in der Welle
Kalten Schoß.
Drum die Kreuze die da ragen
Wie das Kreuz das sie getragen
„Namenlos“.
 /// Graf Wickenburg

Ab 1900 wurden die Wasserleichen auf einem gegenüberliegenden Grundstück begraben, welches in ehrenamtlicher Tätigkeit angelegt wurde. 1935 – zur Zeit des Austrofaschismus – bekam das kleine Areal eine Kapelle und eine Umfassungsmauer. Mit dem Bau des Alberner Hafens 1939 änderten sich die Strömungsverhältnisse und die Donau schwemmte ihre Leichen zu anderen Stellen. Auf dem zweiten Teil des Friedhofes liegen 104 Leichen, wovon 43 identifiziert werden konnte. 1940 fand dort die letzte Beisetzung statt. Bis heute wird der Friedhof von ehrenamtlichen HelferInnen erhalten und gepflegt. Er gilt als Geheimtipp unter TouristInnen und ist Schauplatz in Spielfilmen und Romanen. Jeden ersten Sonntag nach Allerheiligen gedenkt man den Opfern mit einem kleinen Floß auf der Donau.

Offizielle Homepage

Alle nicht identifizierten Wasserleichen werden seit 1940 am Wiener Zentralfriedhof auf Kosten der Stadt Wien begraben.

Der Friedhof der Namenlosen ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht
immer leicht zu erreichen. Es fährt die Buslinie 76A eher unregelmäßig bis
zur Haltestelle Alberner Hafen / 1. Molostraße. Mit Auto oder Fahrrad ist
der Ort leichter erreichbar.

 

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Dieser Beitrag wurde am 10/09/2012 um 22:48 veröffentlicht. Er wurde unter Friedhof abgelegt und ist mit , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Friedhof der Namenlosen

  1. Hallo,
    bin wirklich froh, dass ich Deinen Blog entdeckt habe – sehr interessant, was Du hier ausgräbst sozusagen ;). Weiter so!
    Ich kann Dir zustimmen: der Weg zum Friedhof durch die Hafenanlagen ist wirklich etwas bedrohlich, vor allem wenn man wie ich ein leichtes Problem mit sehr hohen Gebäuden und weiten Flächen hat. Außergewöhnlich, wie sich dahinter dieser kleine friedliche und sehr idyllische Ort öffnet. Als hätte man eine Grenze überschritten. Ich habe dazu auch einen Beitrag geschrieben auf meinem Blog – weiter unten hier in diesem langen Artikel: http://der-schwarze-planet.de/gothic-wien-bestattungsmuseum/

    Man liest sich :)
    Bis bald
    Shan Dark

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