totenstalking

Israelitischer Friedhof – Tor 1

Der „jüdische Friedhof“ am Tor 1 wurde als erste konfessionelle Abteilung 1879 eröffnet. Zuvor gab es allerdings lange Verhandlungen zwischen der Israelitischen Kultusgemeinde und der Gemeinde Wien, da ein jüdischer Friedhof – auch „Haus der Ewigkeit“ genannt – die ewige Totenruhe bewahren muss. Diese Vorraussetzung sollte die Grundflächenbewertung erhöhen und veranlasste die Gemeinde zu der Forderung, dass die Israelitische Kultusgemeinde sich auch finanziell an den Baulichkeiten des nicht-konfessionellen Teiles des Zentralfriedhofes und dessen Verwaltungskosten beteiligen müsse und zudem alle Kosten für die Bauten in der Israelitischen Abteilung zu tragen habe. Schon 1874 wurde der Israelitische Kultusgemeinde unter den oben genannten Bedingungen ein Areal zugesprochen, doch erst 1877 wurde ihr vertraglich das Areal am Tor 1 von 260 000 m² mit einem Benützungsrecht – nicht mit einem Eigentumsrecht – überlassen. Die Israelitische Abteilung wurde dann durch eine Baumallee symbolisch vom nicht-konfessionell Zentralfriedhof getrennt und 1887, 1889 und 1912 bis auf das Grundstücksmaximum erweitert.

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Das 1978 von dem Architekten Wilhelm Stiassny im historisierenden Stil erbaute Zeremoniengebäude am Eingang, wurde 1938 im Zuge der Novemberprogrome zerstört und 1979 abgetragen. Heute befindet sich dort ein Rasenfläche. 1941/1942 wurden alle jüdischen Friedhöfe enteignet, nur die Israelitische Abteilung des Zentralfriedhofes sollte als „Museum“ erhalten bleiben. 1945 entstanden durch Fliegerbomben schwere Schäden und fast 3000 Gräber wurden zerstört.

1991 gründete sich der ehrenamtliche Verein Schalom, der es sich zur Aufgabe machte, die Gräber zu pflegen und den teilweise zerstörten Friedhof nach Möglichkeit wieder herzustellen, um die wenigen Hinterbliebenen der Shoah zu unterstützen. Nicht zuordenbare Grabsteine wurden zusammengetragen und liegen an einigen Stellen in der Abteilung als Ausdruck des Gedenkens. Heute wird der Friedhof von der IKG betreut, da kaum noch Angehörige am Leben sind. Besonders sehenswert ist die Zeremonienallee, die mit vielen Berühmtheiten belegt ist (siehe Wiener Zentralfriedhof – Tote Berühmtheiten). Bis 2011 wurden mit Hilfe der Gemeinde Wien und des Bundesdenkmalamtes 39 Ehrengräber saniert. 

Lageplan

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Dieser Beitrag wurde am 07/09/2012 um 19:50 veröffentlicht. Er wurde unter Friedhof abgelegt und ist mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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